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Komplexe Integration Logistischer Prozesse

Komplexe Integration logistischer Prozesse

KOMPLEXE INTEGRATION LOGISTISCHER PROZESSE

Seit einigen Monaten häufen sich Projekte, die eine weitreichende Integration logistischer Prozesse mit Speditionen und Fulfillment-Dienstleistern zum Ziel haben. Hintergrund ist oft, dass die Spediteure seitens der Warenempfänger in Bezug auf geforderte Lieferzeitfenster extrem enge Vorgaben definiert bekommen, deren Einhaltung unter Anwendung händischer Erfassungsprozesse von Speditionsaufträgen nicht mehr zu gewährleisten sind. Diese an sich übersichtlich strukturierten Anforderungen an eine Übermittlung digitaler Speditionsaufträge (i.d.R. via EDIFACT Nachricht IFTMIN) bilden jedoch oft nur die Vorstufe für eine tiefergreifende Einbindung sehr komplexer Detailprozesse.

Viele Firmen lagern Teile der Kommissionierung an externe Dienstleister und deren Lager aus. Das hat zur Folge, dass die dortigen Bestände eminente Bedeutung für die Planung der Auslieferungsprozesse sowie die Anlieferung von Handelsgütern in das betreffende Lager besitzen. Jedwede Änderungen der Lagerbestände müssen zeit- und chargengenau abgebildet werden. Diese digitalisierten Prozessketten sind oft sehr Waren- und Dienstleister-spezifisch. Neben der reinen Kommissionier-Tätigkeit und den daraus resultierenden Rückmeldungs-Nachrichten gilt es zudem, die Avisierung und die Umlagerungstätigkeiten bis hin zur Anlieferung und dem Reklamationsmanagement digital mittels EDI-Technologien abzubilden.

Die beschriebenen Szenarien lassen sich nur zum Teil durch klassische EDIFACT-Nachrichten abbilden, da eine Vielzahl der geforderten Prozessimplementierungen sich stark am Logistikdienstleister und seiner tiefer liegenden Logistikapplikationen orientieren muss, die naturgemäß anbieterspezifisch ausgeprägt sind. Vor diesem Hintergrund werden solche Integrationsprojekte teilweise mit Variationen bekannter EDIFACT-Prozesse umgesetzt; klassische Beispiele dafür sind:

  • IFTMIN – als Speditionsauftrag Voranmeldung
  • IFTMIN – zur Meldung von Ist-Mengen
  • DESADV – als Auslieferungsauftrag
  • DESADV – als Auslieferungsbestätigung
  • HANMOV – als Auslieferungsauftrag
  • RECADV – als Wareneingangsmeldung
  • PRICAT – zur Übermittlung von Artikelinformationen
  • QALITY – zur Übermittlung statistischer Informationen

Da die Anforderungen der Warenempfänger hinsichtlich der Datenqualitäten aus den logistischen Teilprozessen beständig zunehmen, können diese Informationen nur noch in Teilen durch die ERP-Systeme der Lieferanten generiert werden. Daher müssen diese Daten nahezu zwangsläufig aus den Logistikapplikationen der Speditionsdienstleister zur Verfügung gestellt werden. Durch die Heterogenität der oftmals in Eigenregie entwickelten Logistikapplikationen auf Dienstleisterseite ist der Austausch dieser Prozesse mittels standardisierter EDIFACT-Nachrichtentypen in vielen Fällen nicht sinnvoll. Aus diesem Grund wird ab einer gewissen Integrationstiefe eine Integration der logistischen Schnittstellen des Spediteurs mit dem Warenwirtschaftssystem des Lieferanten ohne Umweg über EDIFACT-Formate direkt im Schnittstellenformat des Logistikers realisiert (i.d.R. ASCII- oder XML-Formate).
Ein Beispiel aus einem aktuellen Projekt verdeutlicht dies:

  • -EK Bestellungen an den Spediteur
  • -EK Bestellungen vom Spediteur
  • -snd Verkaufsaufträge den Spediteur
  • -rcv Verkaufsaufträge vom Spediteur
  • -snd Umlagerungsaufträge an den Spediteur
  • -rcv Umlagerungsaufträge vom Spediteur
  • -snd Rückholaufträge an den Spediteur
  • -rcv Rückholaufträge vom Spediteur
  • -snd Verkaufsreklamationen an den Spediteur
  • -rcv Verkaufsreklamationen vom Spediteur

Die hohe Anzahl der zu implementierenden Prozesse im EDIFACT- oder proprietärem ASCII-/XML-Format verdeutlicht, dass die Herausforderung für eine Integration solch komplexer Prozessketten nicht durch Erzeugen und Verarbeiten der beteiligten Formate definiert (EDIFACT, ASCII, XML) sondern in der Gewährleistung der benötigten Datenqualität. Das eingesetzte EDI-System kann in solchen Szenarien nicht nur Transformator für die unterschiedlichen Formate zwischen Logistikdienstleister und ERP-System des Lieferanten sein; vielmehr muss es durch den Einsatz intelligenter, geschäftsprozessspezifischer Logik das auftretende Delta zwischen ERP-Schnittstelle des Lieferanten, Logistik-Schnittstellen des Spediteurs und den ERP- und Vorverarbeitungssystemen des Kunden füllen, ohne hierbei auf klassische Programmiertechnologien zurückgreifen zu müssen.

Stichwörter

  • Softzoll, EDI, EDIFACT, Spedition, Logistik, Integration, Prozesse, Lieferanten, Kommissionierung, Auslieferungsprozesse, ERP-Systeme, Logistikapplikationen

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